Stadt Völklingen

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Zweifaches Richtfest auf dem Fürstenhausener Kokereigelände

27.08.2009  

150/2009

Völklinger Bürgerinnen und Bürger überzeugten sich beim Richtfest der Meeresfischzuchtanlage und Forschungshalle vom Fortschritt der Projekte.

Gemeinsam mit Rainer Grün, Staatssekretär des Saarländischen Umweltministeriums, und Prof. Dr. Ing. Hans-Joachim Weber, Dekan der Fakultät Ingenieurwissenschaften an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (HTW), feierte Oberbürgermeister Klaus Lorig, Aufsichtsratsvorsitzender der Meeresfischzucht Völklingen GmbH, die fertige Dachkonstruktion -- sowohl der Meeresfischzuchtanlage Völklingen (MFZ) als auch der angrenzenden Forschungshalle.

Eingeladen hatten die Geschäftsführer der Meeresfischzuchtanlage, Michael Altpeter und Jochen Dahm, die vor der Hintergrundkulisse eindrucksvoller Stahlbetonbinder das Richtfest eröffneten. Oberbürgermeister Klaus Lorig begrüßte die Anwesenden, insbesondere die zahlreichen Bürgerinnen und Bürger, die gekommen waren, um sich vom Fortschritt des Projekts zu überzeugen. "Nach viermonatiger intensiver Bauphase ist das Richtfest ein weiterer Meilenstein für die Meeresfischzucht. Wir haben die erste Etappe der geplanten Zeitschiene erreicht. Wie vorgesehen wird der Betrieb Mitte nächsten Jahres anlaufen", so Lorig.

Ist bei anderen Bauten die Fertigstellung des Dachgebälks Grund für das Richtfest, so sind bei der Meeresfischzucht Völklingen (MFV) die komplett verlegten Stahlbetonbinder Anlass zum Feiern. Auf den bis zu 10 m hohen Stahlbetonstützen ruhen die 27 Binder mit einem Einzelgewicht von bis zu 31 Tonnen. "Wir liegen perfekt im Zeitplan", so Jochen Dahm, "und sind den Vorgaben sogar eine Woche voraus". Der Verwaltungstrakt im Erdgeschoß ist gemauert und die Decke eingezogen. Auch die tieferliegenden Technikräume im Mittelteil der Halle sind fertig gestellt. Hier werden zukünftig die Filteranlagen der Meeresfischzucht stehen. Ebenfalls wurde die Bodenplatte von zwei Produktionsstraßen verlegt. Vier davon sind im ersten Modul vorgesehen. Die jetzt folgenden Arbeiten betreffen hauptsächlich die Zuchtbecken sowie das Dach. Bis Ende November werden Dachtrapezbleche verlegt und die Dachdämmung wird vorgenommen.

Auch die Arbeiten an der in unmittelbarer Nähe angesiedelten Aquakultur-Forschungshalle sind weit voran geschritten. Die Stahlkonstruktion ist vollständig montiert, Dämmung und Abdichtung des Daches folgen in Kürze. Nach der Montage der Wände und dem Einbau von Fenstern und Türen kann Ende September mit dem Innenausbau und der Außenanlage begonnen werden.

Die 550 m2 große Forschungshalle wird von der International Fish Farming Technolgy GmbH (IFFT) betrieben und Ende Oktober 2009 den interdisziplinären Forschungsbetrieb aufnehmen. Hier wird als erstes ein Shrimpsprojekt umgesetzt, das die nachhaltige künstliche Vermehrung und kontrollierte Setzlingsaufzucht von Tiger Prawns für den asiatischen Markt ermöglicht. Dieses Projekt fördert die Deutsche Bundesstiftung Umwelt mit 280.000 EUR. Den zweiten Forschungsschwerpunkt bilden wirtschaftlich zunehmend attraktive Anwendungsfelder mariner Kreislauftechnologie: die Aufzucht von Muscheln, der Einsatz von Halophyten (salzliebende Pflanzen zur Reststoffverwertung aus der Fischzucht) oder Pilotprojekte mit bisher noch unzureichend erforschten Besatzfischarten.

Die Forschungshalle und ihre gesamte Infrastruktur sollen darüber hinaus auch der HTW zur Verfügung stehen, insbesondere für Forschungsprojekte der Ingenieurswissenschaften: Das Institut für ZukunftsEnergieSysteme (IZESgGmbH) bereitet aktuell beispielsweise die Errichtung einer Miniaturbiogasanlage mit Rückständen aus der Fischhaltung vor, um den Bereich des nachhaltigen Stoffstrommanagements innerhalb der Prozesskette zu verbessern. Hauptziel dabei ist die möglichst effiziente Nutzung der Reststoffe bei gleichzeitiger Schaffung eines ökologischen Mehrwerts. "Im Zuge der steigenden Relevanz nachhaltiger und ressourcenschonender Lebensmittelversorgung wird hier untersucht werden, welche Vorteile die Binnenfischversorgung bringt", betont Prof. Dr. Weber die Bedeutung des Projekts.

Dem Institut für Physikalische Prozesstechnik (IPP) wiederum bietet die Meeresfischzuchtanlage ein hervorragendes Testfeld zur Erforschung fluider Kreisläufe. Ihre im Hörsaal erworbenen, theoretischen Kenntnisse über die physikalische Prozesstechnik werden die Studenten der HTW ab 2010 in der Praxis austesten können. Die dabei zu erwartenden Erkenntnisse im Bereich der Verfahrenstechnik werden sich direkt auf die Meeresfischzuchtanlage auswirken, die durch diese Kooperation permanent auf dem neuesten Stand der Forschung arbeiten kann.

"In Völklingen entsteht ein Aquakultur-Standort, dessen Bandbreite mit angewandter Forschung, Produktion und Verarbeitung einmalig sein wird. Wir sind aufgrund vieler konkreter Gespräche überzeugt, dass die entstehende Infrastruktur weitere Investitionen und Forschungsprojekte anziehen wird", so Friedrich Esser, Geschäftsführer der IFFT. Die zu erwartenden positiven Auswirkungen auf den Standort sind vielfältig: Als Vorreiterprojekt im Bereich neuer Biotechnologie wird die Meeresfischzuchtanlage das Image des Saarlandes als innovativen Standort weiter voranbringen. Zudem zieht die Wirtschaftsfreundlichkeit der Bauherren weitere Investoren an: So wird z.B. die nachgelagerte Fischverarbeitung des norddeutschen Unternehmens Alaska Fisch Investitionen in siebenstelliger Höhe und mindestens 15 Arbeitsplätze nach sich ziehen.

Direkten Einfluss wird die Anlage auf den Gesamtumsatz der Stadtwerke Völklingen Vertrieb GmbH haben. Schon für die Produktion von 500 Tonnen Fisch pro Jahr werden in der ersten Ausbaustufe ca. 4 Millionen kWh Strom und ca. 2,5 Millionen kWh Fernwärme verbraucht. Der Endausbau der Meeresfischzucht sieht die Produktion von 5.000 Tonnen Fisch vor. "Diese Zahlen sind unabhängig von der Leistung der geplanten Biogasanlage. Der zukünftig erzeugte Strom und die Wärme der Anlage werden ins Netz der Stadtwerke eingespeist und nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vergütet. Der anfallende Biomüll aus der Meeresfischzucht soll nach dem Recyclinggedanken in der Biogasanlage verwertet werden. Damit wäre der Stoffkreislauf ökologisch beispielhaft geschlossen", erläuterte Geschäftsführer Michael Altpeter. Momentan läuft das Genehmigungsverfahren inklusive der Umweltverträglichkeitsprüfung zum Bau der Biogasanlage.




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