Nr. 58/2012
Das Aktionsbündnis Stolpersteine Völklingen hat gemeinsam mit der Stadt Völklingen nach langer Vorarbeit und dank zahlreicher Spenden aus der Bevölkerung die ersten 7 Stolpersteine für Opfer des Nationalsozialismus verlegt. Hierzu war der Kölner Künstler Gunter Demnig, der jeden Stein selbst anfertigt und auf den die gesamte Aktion Stolpersteine zurückgeht, anwesend und führte die Verlegung selbst durch. Der erste Stein wurde in der Saarstr. 33 verlegt, wo Fredi Wiedersporn zuletzt gewohnt hat, bevor er mit 17 Jahren im Tötungstrakt der Anstalt Sonnenstein vergast wurde.
Der nächste Stolperstein wurde in der Völklinger Straße 60 zum Gedenken an Wilhelm Bermann verlegt. Wilhelm Bermann betrieb eine Schneiderei in Ludweiler. Er und seine Frau wurden in der Reichspogromnacht überfallen, in Schutzhaft genommen und ins KZ Dachau gebracht. 1939 flüchteten sie nach Holland, von wo aus sie über das Lager Westerbork nach Sobibor verschleppt wurden. Wilhelm Bermann und seine Frau wurden dort am 2.7.1943 ermordet. Der Stolperstein für Berta Bermann-Keller wird im März 2013 verlegt werden.
Gegenüber, in der Völklinger Straße 61, lebte bis zu seiner Flucht im Jahre 1936 sein Bruder Samuel Bermann mit seiner Familie. Samuel Bermann führte ein Geschäft für Textilien, Arbeitskleidung und Möbel. Er, seine Frau und seine Kinder waren fester Bestandteil der Ludweiler Dorfgemeinschaft, in den dortigen Vereinen aktiv und angesehen. Nach der Saarabstimmung im Jahre 1935 bekamen jedoch auch sie die Hetze gegen die Juden zu spüren. Samuel Bermann verkaufte sein Haus und sein Geschäft und flüchtete mit seiner Familie nach Holland. 1943 wurden er und seine Frau Gertrude vom Lager Westerbork aus nach Auschwitz deportiert. Sie wurden am 5.2.1943 ermordet. Sohn Julius wurde am 30.9.42 in Auschwitz ermordet, sein Bruder Kurt Salomon am 19.8.42 ebenfalls in Auschwitz.
Als letzter wurde vor dem ehemaligen Ludweiler Bürgermeisteramt, dem heutigen Glas- und Heimatmuseum, der Stolperstein für Philipp Kaufmann verlegt. Philipp Kaufmann war hier von 1933 bis 1935 als Gemeindeverordneter für die KPD tätig. Er war Bergmann und wurde 1936 ins Ruhrgebiet zwangsversetzt, wo er 1944 von der Gestapo verhaftet wurde. Am 7.3.1943 kam er im KZ Buchenwald ums Leben.
Die Stolpersteine sollen daran erinnern, dass auch in Völklingen Nachbarn aus unseren Straßen verschwunden und ermordet worden sind. Sie sind damit wichtige Bestandteile der Erinnerungskultur unserer Stadt und gleichzeitig auch Teil eines wachsenden Denkmals im öffentlichen Raum.